Toleranz durch Dialog, geht das?
Wie schnell durchzuckt einem doch nicht selten der Gedanke, ob sein Gegenüber in seinem Tun und Handeln nicht doch „behindert“ sei? Doch was bedeutet das eigentlich? Eine „Behinderung“ haben? Mit einer „Behinderung“ leben? Dieser Frage nähert sich das Projekt „Toleranz durch Dialog“, ins Leben gerufen vom Verein „Generationen gehen gemeinsam“ und es ist ein Angebot an Grundschulen in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz. Die organisatorischen Fäden zieht Rene Günther und kürzlich waren er und seine Mitstreiter Gäste der Klasse 5a in der Rückersdorfer Grundschule. Wirklich treue und engagierte Mitstreiter des Projekts sind Rainer Engelmann, der in seiner Kindheit das Augenlicht verlor, Dirk Schulze und Diana Engelmann, die beide seit einem tragischen Motorradunfall an den Rollstuhl gefesselt sind. Schnell war das Eis zwischen Referenten und Schülern gebrochen und das Projekt machte seinem Namen alle Ehre. Man kam ganz ungezwungen in einen Dialog. Nach Schilderungen von kleinen und großen Schwierigkeiten im Alltag mit einer „Behinderung“ konnten die Kinder Fragen stellen und auch mit ganz praktischen „Lebenshilfen“ ausprobieren, wie es ist, wenn einem eine wichtige körperliche Fähigkeit fehlt. Wie lesen und schreiben Blinde? Wie bewältigt man mit einem „Rolli“ eine Bordsteinkante? Und wie funktioniert das mit dem An-, Aus- und Umziehen? Ganz schnell merkten die Kinder, wie ein scheinbarer Alltag zur Herausforderung werden kann und wie wertvoll die eigene körperliche Unversehrtheit ist. „Super!“, „Interessant!“, „Toll!“ – in einer Nachbereitung reflektierten die Kinder das gerade Gesehene und Erlebte und verpassten dem Projekt geschlossen das Prädikat „Wertvoll!“. Bleibt zu hoffen, dass diese hervorragende Projektidee nicht auch dem Rotstift zum Opfer fällt und noch viele weitere Klassen den Perspektivwechsel üben können, wie es ist, wenn plötzlich einem eine wichtige Fähigkeit fehlt. Abschließend muss noch bemerkt werden, dass die Kinder im Gespräch fast einstimmig meinten, dass „Behinderung“ ein ziemlich „behindertes“ Wort ist. Wirklich bemerkenswert!
Verfasser:
Herr Pötzsch, Klassenleiter